Frohes Fest und alles Gute!

Wie doch die Zeit verfliegt. Eben war doch noch… Gerade erst neulich hatten wir… Aber plötzlich ist schon wieder ein Jahr vorbei. Damals, als Kind, konnte man es wochenlang nicht erwarten, bis endlich Weihnachten ist und „der Weihnachtsmann“ oder je nach Region „das Christkind“ die Geschenke brachte. Im „mittleren Alter“ hat man viel um die Ohren zu Weihnachten um alle Kinder glücklich zu machen. Im Alter überlegt man manchmal: Wie viele Weihnachten werde ich noch erleben. Auf jeden Fall hat man, je älter man wird, das Gefühl, die Jahre gehen viel schneller vorüber als „damals“…

Puppe vom Paten
Eine Puppe als Weihnachtsgeschenk vom Paten. Welch eine Freude steht diesem Patenkind ins Gesicht geschrieben!

Für Ihre Patenkinder in Brasilien ist diese Zeit natürlich eine wirklich tolle Zeit, denn es gibt Geschenke! Praktisch jeder Pate hat seinem Patenkind eine mehr oder weniger große Überraschung zukommen lassen. 

Wie immer in den letzten 4 Jahrzehnten war Ende November bei uns der „Kassenschluss“. Alle Spenden die bis dahin bei uns eingegangen waren konnten noch rechtszeitig vor Weihnachten bei der Bank umgetauscht werden. Anschließend gingen die Mitarbeiterinnen der Heime mit den Familien einkaufen. Die Spenden, die erst im Dezember eingingen werden im Januar umgetauscht und dann gibt es „leicht verspätete“ Weihnachten für diese Patenkinder. Aber das ist für diese kein Problem. Wichtig ist, dass man vom Paten nicht vergessen wurde!

Im Dezember hatten Sie auch die handgebastelten Weihnachtsgrüße Ihrer Patenkinder erhalten. Seit 2 Jahren werden diese in etwas „abgespeckter“ und dadurch individuellerer Art vom Kind selbst gefertigt. Das Kind muss Ihnen einen Gruß in deutscher Sprache abschreiben. Das ist ganz schön anstrengend für jemanden, der kein ä, ü und ö kennt…

Ach und: ein Pate fragte dann an, ob wir denn keine Überweisungsscheine mehr verschicken würden?! Nein, natürlich nicht. Überweisungsscheine sind genauso von der Zeit überrant worden wie z.B. Krankenscheine oder Rezepte aus Papier. Die Älteren erinnern sich noch daran?
Heutzutage, wo praktisch jeder sein Konto online führt und wo Überweisungsbelege aus Papier bei fast allen Banken um die 2€ Extra-Gebühr kosten, da macht es keinen Sinn mehr solche zu verschicken. Sie wissen ja: Oben auf dieser Webseite finden Sie den Menüpunkt „Sonderspende“. Einfacher geht Spenden eigentlich nicht und es entfällt die Lauferei zu Bank.

In mehreren Heimen gab es kleine Weihnachtsfeiern. Auf dem Foto die internen Kinder des Heimes 125 in Princesa Isabel-PB bei Ihrem großen Weihnachtsessen mit „Peru“ (Truthahn) aus dem Backofen.
Anschließend ging es noch im Kleinbus in die 55km entfernte Stadt Serra Talhada, denn dort gibt es seit ca. 5 Jahren ein richtiges „Shopping Center“ mit vielen Läden und vor allem einem riesen Kinderspielplatz. So wird es bei Rette ein Kinderleben e.V. langsam zur Tradition kurz vor Weihnachten dieses Shopping Center zu besuchen. Das ist für diese Kinder eine komplett andere Welt. Rolltreppe fahren zählt zu den absoluten Attraktionen für die Kleinen.

Wie in einem Traum, was diese Patenkinder erleben dürfen. Wahrgemacht einzig durch die kontinuierlichen Spenden ihrer Paten.

Bitte vergessen Sie nicht, dass es nur wenige Meter weiter ganz anders aussieht. Bei den vielen Familien, die unverschuldet in bitterer Armut leben müssen. Es gibt zu wenig Arbeit und die ist selten gut bezahlt. Als Mutter mit mehr als 2 Kindern ist es so gut wie unmöglich den Haushalt zu verlassen um zu arbeiten. Die Kinder sind zu wichtig und können nicht alleine gelassen werden. Welches Leben steht diesen vielen Kindern bevor… Wieder bittere Armut.

Warten auf Hilfe
Die Realität: Ohne Paten, ohne Hilfe aus Deutschland hat man wenig bis keine Chancen auf ein besseres Leben...

Das Jahresende ist auch immer wieder eine Zeit des Abschieds. Wenn die Schule abgeschlossen wurde endet auch die Patenschaft. Das kann manchmal mit 17 Jahren sein, oftmals mit 18 Jahren, selten mit 19 und mehr Jahren. Ein festes Ausscheiden aus der Versorgung mit „Volljährigkeit“ gibt es bei uns nicht, denn für Rette ein Kinderleben e.V. ist der gute Bildungsabschluß das Ziel!

Auf diesem Foto 5 der Mädchen die bislang vom Heim 126 in Triunfo-PE betreut wurden, zusammen mit der Heimleiterin Sra. Cláudia. Die Schulzeit ist nun beendet. Einige möchten an einer „Faculdade“ weiter studieren, andere lieber gleich arbeiten und Geld verdienen.
In der Mitte des Bildes zu Besuch an diesem Tag war Sra. Tamires, die vor 20 Jahren selbst ein Patenkind war und in einem unserer Heime lebte. Inzwischen ist sie Krankenschwester und Pharmakologin in Triunfo.

Leider müssen wir zum Jahresende auch Abschied nehmen von den Paten in der Schweiz. Viele, viele Jahre lang gab es einen extra dort gegründeten Verein ReK-CH, der die Paten dort betreute. Leider hatte dieser Verein vor ca. 5 Jahren entschieden sich anders zu nennen und eigene, andere Ziele in anderen Ländern zu verfolgen. Das endete in den letzten Monaten damit, dass immer und immer wieder kein Geld aus der Schweiz überwiesen wurde, obwohl die Paten bereits für das Jahr im Voraus gespendet hatten. Ständige Wechsel im Vorstand machten die Zusammenarbeit letztendlich unerträglich. Daher haben wir entschieden nicht weiter mit diesem, uns inzwischen sehr fremden Verein, zusammen zu arbeiten.
Allen Spendern in der Schweiz wurde angeboten direkt an Rette ein Kinderleben in Deutschland e.V. zu spenden, wie dies bereits 4 andere Spender aus der Schweiz problemlos machen. Da wir aber nicht in der Lage sind Spendenbescheinigungen auszustellen, die von den Schweizer Finanzbehörden anerkannt werden, hat ein Großteil dieser Spender entschieden seine Patenkinder in Brasilien nicht weiter zu unterstützen. Das ist natürlich sehr schade.

 

Eröffnungsfeier des Heimes 109 in Jaboatão dos Guararapes-PE im Jahr 2005. Ende 2023 wird das Heim komplett geschlossen.

Unser Heim 109 wurde im Jahr 2005 von einem bis dahin kleineren Stützpunkt zu einem „Ausbildungszentrum“ ausgebaut. Hier ein Foto vom Tag der Erföffnung, an dem sogar Besuch aus den USA anwesend war. Rette ein Kinderleben e.V. hat einige Paten mit Deutschen Wurzeln im Bundesstaat NH. Und falls Sie jetzt denken: Belgien? Nein. Stellen Sie sich einfach vor, es wäre die Deutsche Flagge. Der Wille zählt und die Kinder haben sich alle Mühe gegeben.

Leider war dieses Konzept vom damaligen 1. Vorsitzenden gegen viele Bedenken „durchgedrückt“ worden und scheiterte dann leider, wie befürchtet, an vielen Dingen. Insbesondere wollten Eltern aus dem „Hinterland“ ihre Kinder nicht in die gefährliche Großstadt schicken um dort „nähen und kochen“ zu lernen. In der Tat ist es bei Dunkelheit außerhalb des Heimes lebensgefährlich und man gerät schneller zwischen die Fronten einer Schießerei als man sich vorstellen kann…
Schon 5 Jahre später wurde das Ausbildungszentrum wieder geschlossen und dieser Teil des Heimes an eine Schule für schwererziehbare Kinder vermietet. Diese wiederum zog 2014 urplötzlich aus und nahm alles mit, was nicht „niet und nagelfest“ war. Alle Betten und Matratzen verschwanden und selbst das große Metalltor am Eingang wurde geklaut. Alle Räume leer und teilweise eingeschlagene Wände und herausgerissene Kabel…

In den Jahren danach hat Rette ein Kinderleben e.V. mit inzwischen neuem 1. Vorsitzenden versucht, das Heim wieder mit Leben zu füllen. Eine Heimleiterin und eine Assistentin kümmerten sich um rund 80 Patenkinder in der Favela im Ortsteil Barra de Jangada.

Nun, Ende 2023 ist der Zeitpunkt gekommen, um dieses Heim endgültig und vollständig zu schließen. Zuletzt wurden noch 8 Patenkinder betreut. Die Heimleiterin war schon vor 3 Jahren entlassen worden und die Assistentin hatte in ein anderes Heim gewechselt. Während dieser Zeit wurde gleich 3 Mal im Heim eingebrochen und Fernseher, Mikrowelle, Gasflasche und „Kleinkram“ fanden über Nacht neue Besitzer. So wurden diese Patenkinder zuletzt „fernbetreut“, vom Heim 103 welches ebenfalls in Jaboatão dos Guararapes liegt, im ca. 10km entfernten Stadtteil „Cajueiro Seco“.

Aufgehübscht
"Aufgehübscht" und zum Verkauf bereit: Unser Heim 110 in Olinda

Nicht ganz so dramatisch aber ebenfalls mit einem traurigen Ende schließen wir zum Jahresende die Geschichte unseres Heimes 110 in Olinda-PE. Hier in der Favela rund um diesen Stadtteil „Jardim Brasil“ (Brasilianischer Garten) zeigte sich, dass es so gut wie keine Erfolge in der Hilfsarbeit gibt. Man kann die Patenkinder noch so gut und lange unterstützen: Im Vergleich zum „Hinterland“ ist hier der Erfolg nur ganz selten eingetreten. Das Umfeld ist teilweise so kaputt, dass es selbst mit „Millionen“ Hilfe nicht möglich gewesen wäre eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Eine Heimleiterin formulierte es einmal so: Das Patenkind ist meist das einzige Familienmitglied das noch keine Drogen nimmt…

Es ist eine gesetzliche Vorgabe: Wir müssen nachweisen, dass unserer Hilfe eine Verbesserung erreicht. Und das funktioniert in der Gegend um unser Heim 110 leider genauso wenig wie beim Heim 109.
In diesen Großstädten an der Küste ist es aber so, dass sich mehrere Hilfsorganisationen gegenseitig „auf die Füße treten“. Wer also andere Hilfe sucht wird sie schnell finden, denn die sog. „großen“ Hilfsorganisationen bleiben lieber in der bequemen Großstadt, als im armen Hinterland zu helfen.

Unsere Heimleiterin Sra. Gabi hatte im Sommer 2023 Ihre „Faculdade“ erfolgreich beendet. Sie hatte dort „Contabilidade“ studiert, was man am besten mit „Buchhaltung“ übersetzen kann. Anschließend wurde sie entlassen und ging zurück in ihr Heimatdorf Jérico nahe Triunfo-PE. Auch die verbliebenen Patenkinder im Heim 110 wurden von der Mitarbeiterin des Heimes 103 mit betreut.
Übrigens kam Sra. Gabi später wieder zu uns zurück: Sie ist nun Heimleiterin im Heim 128 in Manaira, nicht weit entfernt von Ihrem Heimatdorf.

Unser Heim 103 in Jaboatão dos Guararapes-PE, Stadtteil „Cajueiro Seco“ (Trockener Wasserfall). Ebenfall mitten in einer gefährlichen Favela gelegen. Sie ahnen es schon. Auch unser Heim 103 wurde in den letzten Jahren „geschrumpft“. Es wurden keine Patenschaften in den Heimen 103, 109 und 110 mehr vermittelt, denn es war seit ca. 2015 klar, dass diese Heime mangels „Erfolgaussichten“ baldmöglichst geschlossen werden.
Wenn Sie sich noch an unsere alte Webseite erinnern: Schon dort kündigten wir die Schließung der Heime 103, 109 und 110 baldmöglichst an. „baldmöglichst“ dauert nun doch noch ca. 4 Jahre länger als geplant, denn wir wollten möglichst viele der Kinder wenigstens noch bis zum Schulabschluss bringen. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen um unsere Arbeit im Großraum Olinda/Recife/Jaboatão komplett einzustellen.
Die letzte verbliebene Mitarbeiterin beendet im Sommer ebenfalls ihre Faculdade und wird uns dann verlassen, da sie im derzeit erlernten Beruf „Physiotherapie“ arbeiten möchte.

Wir versuchen die Gebäude und Grundstücke zu verkaufen. In dieser bitterarmen Gegend ist das aber so gut wie unmöglich…

Rette ein Kinderleben e.V. ist sehr erfolgreich mit der Hilfarbeit in Regionen, die nicht in den Großstädten an der Küste liegen. Außerhalb der Favelas gibt es bessere Schulen und lernbereite Kinder, die etwas aus Ihrem Leben machen möchten. Dort werden wir unsere Hilfsarbeit stärker konzentrieren. Es ist auch die Eröffnung eines weiteren Heimes in einer bislang unterversorgten Gegend im Bereich des Dorfes „Algodões-PE“ geplant. Wir versuchen ständig noch effizienter zu sein und haben mit der Schließung dieser 3 Heime nun sprichwörtlich „3 Löcher im Sack“ gestopft, was allen anderen Patenkindern zugute kommen wird. And now for something completely different. (Filzitat)

Weihnachten in PI
Die Heimleiterin Sra. Aparecida aus unserem Heim 125 steht vor der Weihnachtsdekoration in Princesa Isabel-PB

Weihnachten bei über 35° kann man sich bei uns kaum vorstellen. Auch wenn man jedes Jahr in der Zeitung die Fotos vom „Bondi Beach“ in Sydney/Australien sieht, wo Leute mit Zipfelmütze und Badehose im Wasser planschen.
In Brasilien blinken jetzt die bunten LEDs an den kleinen Plastik-Weihnachtsbäumen. Von „Kerzenromantik mit Schnee im Garten“ hat man dort eher keine Vorstellung. Wenn manche Paten Ihren Patenkindern Bilder vom schneebedeckten Garten schicken dann kommt oft die Frage, ob wir keine Farben zu Weihnachten haben, weil alles nur weiß/grau/schwarz aussieht… 

Letztendlich ist Weihnachten in Brasilien aber natürlich ein großes kirchliches Fest.

Kirche in SCdBV
Die Kirche in Santa Cruz da Baixa Verde-PE kurz vor Weihnachten
MIratbeiter im Heim 125

Die Mitarbeiterinnen aus unserem Heim 125 wünschen Ihnen alles erdenklich Gute, viel Glück im neuen Jahr und vor allem eine gute Gesundheit.

Danke für Ihre Unterstützung!

Vielleicht findet auch dieses Mädchen bald einen Paten und kann sich im nächsten Jahr über Geschenke zu Weihnachten freuen...

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