Brasilianer sind deutlich herzlicher, als wir es in unseren Breiten gewohnt sind. Bei der Begrüßung umarmt man sich und gibt unter Freunden bzw. Familie auch Küsschen auf die Wange. Es gibt viel mehr Körperkontakt.
Aber nun gibt es auch in Brasilien eine täglich steigende Anzahl von Infizierten und plötzlich muss man, vollkommen ungewohnt, Abstand zu anderen Personen einhalten. Durch eine Ausgangssperre wird das übliche Zusammenleben auf engstem Raum natürlich nicht einfacher...
 

Für die Arbeit von Rette ein Kinderleben e.V. vor Ort bedeutet die aktuelle Situation, dass wir viele Dinge derzeit schlicht nicht durchführen können. So gibt es zur Zeit keinen Nachhilfeunterricht, regelmäßige Versammlungen mit den jugendlichen Patenkindern finden nicht mehr statt, Einkaufscoupons werden nicht, wie üblich, bei Versammlungen ausgegeben, Besuche bei den Familien zu Hause sind gestrichen. Es gibt aktuell keine Möglichkeit mehr, Ihre Briefe an die Patenkinder auszugeben. Natürlich sind inzwischen auch alle Heime mit internen Kindern geschlossen worden und die Kinder sind zu Ihren Familien zurückgekehrt. Die Heimleiterinnen haben Ihnen Lebensmittel mit nach Hause gegeben, die ansonsten von der Küche des Heimes angeboten werden.

In Brasilien gibt es so etwas wie "Kurzarbeit" nicht. Jetzt stehen unsere Mitarbeiterinnen plötzlich ohne Arbeit da. Da nicht absehbar ist, ob sich die Situation in Kürze wieder normalisiert, muss Rette ein Kinderleben e.V. vorsorglich für rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen die Kündigung zu Ende April aussprechen. Man bekommt in Brasilien bis zu 6 Monaten Arbeitslosengeld, das fast dem bisherigen Nettolohn entspricht.
Rette ein Kinderleben e.V. hat genug finanzielle Reserven vor Ort, um im April die ausgegebenen Einkaufscoupons für die Patenkinder und deren Familien bei den Supermärkten zu bezahlen. Die Gehälter sind für März und April sicher. Aber ab Mai kann es kompliziert werden. Daher müssen wir schon jetzt Einsparungen planen.
Die Spenden, die wir Anfang April von Ihren Konten einziehen, schicken wir (wie üblich) unverzüglich nach Brasilien. Bislang ist aber nicht wirklich absehbar, ob die Banco do Brasil, die natürlich auch die Filialen geschlossen hat, unser von Deutschland aus transferiertes Geld auch im üblichen Zeitraum von 2-4 Wochen umtauscht. Dazu ist nämlich jedes Mal aufs Neue die Genehmigung einer "Behörde zur Vermeidung von Geldwäsche" notwendig, die im Bundesstaat Belo Horizonte liegt. Ob dort weiterhin gearbeitet wird, werden wir in 2-3 Wochen erfahren.
Natürlich werden Ihre Spenden ankommen. Aber wie Sie nun erkennen können, kann dies im ungünstigsten Fall einige Wochen dauern. Das ist für die Patenkinder und Ihre Familien eine extrem unangenehme Situation. Wir versuchen wirklich alles, um die Hilfe weiterhin aufrecht zu erhalten.


Leider muss nun auch etwas anderes pausieren: Alle Patenkinder über 14 Jahre haben die Verpflichtung, mindestens 1 Mal pro Monat persönlich im Heim zu erscheinen. So hat die Heimleitung einen direkten Kontakt, kann Probleme schneller erkennen und für die OnlinePaten wurde auch jedes Mal ein neues Foto gemacht, damit Sie die Entwicklung des Kindes besser miterfolgen können.

Hier zeigt ein Patenkind ein Schild auf dem steht "Ich habe das Heim im März besucht". So wollten wir das nun eigentlich jeden Monat machen. Auch das wird leider warten müssen.

Ach ja, da war noch was... Klopapier... In Brasilien kann man unsere Probleme mit der Klopapierversorgung nicht so ganz nachvollziehen. Dieser Vater eines Kindes des Heimes 128 steht hier im Supermarkt in Manaira-PB vor einer ganzen Wand vom Klopapier:

Hoffentlich wird der Virus auch in Brasilien irgendwann besiegt sein und wir können dann zur Normalität zurückkehren...

Bitte bleiben Sie gesund!